Heile Welt
Mausgesang dirigiert.
Das Leben schlägt um.
Eine Schneeflocke zieht zu Dir. Sooft
wir den Kreis abschreiten:
Ich zähle mit meinen Fingerspitzen.
Das Auge frißt von jeher in sich hinein.
Ich trage den Marktgeschrei nach Hause. Die Büchse
schließt das Feilschen ein.
Ein Hämmern an der Schläfe
zeigt den Weg zum grauen
Paradies.
Cherry blossoms
Du gibst mir sätzeweise
von unserm Leichengift zu schlürfen:
Süßer Duft und taube Fingerglieder.
Unter weißem Dach
ging ich Hand in Hand
mit Niemand.
Good memories.
Tagtraum
Pour C.
Close your eyes. Feel the moon shining on your skin. See my lips whispering these lines. Go across the railroad tracks. Please come back to me. The fountain is lighted in blue. You could have held my hand. Wind is softly stroking your arms. Bring me back to the place where I belong. Light is dripping off the walls. Helen had green eyes. Another night comes to its end. Tears will freeze to memories. Dreams and falling stars are raining from the sky. Open your eyes. I can see you.
Blumen für den Gärtner
Sagt mir eine wieder mal
in confidence:
Blumen sind für Frauen da.
Denk ich, neu ist das doch nicht.
Hat mir bestimmt einmal
ein Mädchen schon gesagt.
Frag mich: Weshalb
nur blieb der Hinweis
immer unverdaut?
Die Gedanken laufen so:
Blumen – Gärtner – Mörder.
Was soll ich da mit Blumen?
Treffen sich zwei Menschen
Schwindel weckt die Sehnsucht nach dem Fall.
Milan Kundera
Ich bin der Scharlatan, der recht behält.
Du bist die Prinzessin, die über Wahres lügt.
Ich bekam nicht, was ich wollte.
Du nimmst Dir, was du brauchst.
Niemand wird haben, woran wir glauben.
Die Welt verliert nicht mehr ihr grau.
Es wird noch lange herbstlich sein.
Lichter in der Nacht sind wie Tränen,
die die Erinnerung zum Glänzen bringen.
Ich sah es falsch:
Der Schmerz ist das Feuer, das mich wärmt.
Tausend Berge
Tausend Berge treten mir entgegen,
das Tal ist tiefer als ein ein-
äugiger Gedanke.
Ich warte auf ein Wort von Dir,
damit die Zeit vergeht
bis mein Schatten
nachgewachsen ist.
Bis dahin höre ich den Winden zu.
Nimm dem Leben hasenweise Schwere:
hört sich beinah’ klagend an.
Es scheint wie aus einem andern Leben,
als stürben Fliegen an der Wand
bevor ihr Tag zu Ende ist.
Frieden ist, wenn alle gleich sind.
Noch etwas, das ich nicht versteh’.
Vielleicht legt die Zeit die Zärtlichkeit
über den Gedanken, der nicht erweichen will.
Solange: Schau dem Schatten zu. Und ich
warte:
Sag mir dazu, ein Wort – bitte!
Reflexionen
Das Herz
so weit.
Geknebelt am
Zahnrad der Zeit.
Das Leben
tickt.
Das Herz
gesprungen.
Dem Sommerabend
fröstelt.
Er schaut
zurück.
(25.09.2005)
Nachtgedanken
Fleißig geht er, einsam.
Seit Tagen folgt der Wanderer:
Sollt’ es mich stören?
Sollt’ ich auf sie hören?
Seit Tagen war ich nicht mehr fleißig.
Bringe die Gedanken zu dem Grabe.
Schmecke meinen Angstschweiß,
und folge Dir, damit Du nicht einsam gehst
ohne letzten Gruß.
Gott hat mich verlassen,
ich weiß nur noch nicht
wann das so gewesen ist.
Blick nach vorn
Die alte Haut abgelegt.
Das Neue atmet bereits feucht-warm aus.
Es klopft an das Alte,
von Neuem klagt es an:
Verrate
nicht mich. Es lockt
über Grenzen hinweg.
Heute heißt es:
Ich gehe mit meiner
Freiheit.
Die alte Haut
feucht-warm
atmet nicht.
Väterhohe Schatten
Väterhohe Schatten,
werft ihr Dunkles in meinen Weg?
Steh’ bei euch, jeden Tag,
seh’ die Sonne keinen andern Schatten scheinen.
Ich nehme meinen Schirm, wann immer
zu viel Licht vom Himmel fällt.
Geerbtes schreibt die kreideweißen Umrisse,
in die ich mich jeden Tag lege.
Tagwerk
Verstehst Du den Tag?
Sagst ihm doch Hallo, jeden Morgen
aufs Neue. Als die Tage
noch länger waren, gingst Du
grußlos von einem zum andern.
Die Tage wurden kürzer, doch
die Ungewissheit ist geblieben.
Schwer lag die Erkenntnis
wie in einer Nuß, die zu knacken
der Routine
vorbehalten blieb. Das zu Erkennende
ist schon längst eingewoben
in das Hallo
am Morgen.
Antizipation
Weihwasser dampft von Deiner Haut.
Deine Poren sind gesättigt. Genug gesegnet.
Aufgebahrt sind die Erinnerungen an ein ganzes Menschenleben.
Das Alter verleiht dem Körper Würde, den Erinnerungen Schönheit.
Das Totenkleid ist schwarz wie die Hoffnung.
Lass uns das Weihwasser kochen. Es zieht den Geist von den Knochen.
Abschied nehmen ist der Versuch, die Ewigkeit in sich aufzunehmen.
Ich trinke Kaffee aus Deiner Tasse. Sie hat niemand gesegnet.
Betrachtung vom Gebirgspass
Der leere Zug galoppiert davon und nimmt Dich mit.
Fort von hier: Du
bist so fremd geworden, als wollte
man einem Maran erklären,
was den Unterschied zwischen Teil
und Ganzem ausmacht. Du
fährst in Deinem Zug davon,
als hättest Du Dich schon immer
bloß verspätet. Man sieht Dich
etwas hinterher eilen, das Du
nie verloren hattest, aber hofftest,
irgendwann einmal gefunden zu haben.
Mit den Kreisen, die Du
zogst, wickelte ich mich lange genug ein,
um zu verhindern, daß der letzte Kreis
sich tatsächlich schließt. Es war das Gegenteil
zum Abgleiten ins Alltägliche, das Dich
so oft quälte, als Du
noch nicht verstanden hattest,
wie aus Alltag Wärme werden kann.
Heute sitzt Du dafür in der Zugluft,
und Du fährst Träumen hinterher, die Dir
nie gehörten, sondern Dir
höchstens einmal von Fremden geliehen
wurden. Sätze
fangen mit einem Punkt an, und
in Deinem Leben
mit automatischen Schiebetüren statt
Wanderschuhen wirst Du
früher oder später einen Punkt
aus dem alten Leben spüren,
den Du mitgenommen hast, ohne
darauf bestanden zu haben.
Bitte: Nimm Dir das Kleinod
nicht allzu sehr zu Herzen, von weiter
oben sieht man ganz genau, wann Dein
Zug die Ebene durchfahren hat
und das nächste Mal halten wird. In Deinem
Fahrplan steht das aber nicht.
Königreiche
Dreht grüner Klee im Winde
sich stets dem Lichte zu,
schau ich nach dem Kinde
senk den Kopf in Ruh.
Ahn vom goldnen Throne
die Prinzessin gleiten;
seh die Dinge reiten,
stumme Zeugin, mandelkostbar wird die Krone.
Opak geblieben, wechselt
Vaterliebe die Motive.
Höre Kind, wo Dich heute ungelebte Träume plagen,
mag aus Zweifeln morgen hier auf Erden
ein Königreich mit seiner Gnade werden.
Und morgen Du
Dem Regenbogen folgen wir,
fester Blick zurück,
dort, wo das Heute immer oben ist.
Große Träume waren Dir,
sangst Lieder von blank poliertem Glück.
Doch wenn Du dann im Morgen bist:
Höre zu, wenn ich Deinen Namen flüster.
Ach, Marie
Tanzt Du noch, Marie?
Auf und ab, mit einem Finger an der Lippe,
drehst Dich mit der Welt, ganz wie
sie uns gehört:
Ich hab’ Dein Herz im Rhein verloren.
Tanzt Du noch einmal mit mir?
Immer zu, flüstert er – hör’ nicht hin,
wie er verneint, was zu Deiner Welt heut’ Nacht gehört.
Du schuldest mir den Kuß,
den er Dir gestohlen hat.
Tanz noch ein letztes Mal mit mir!
Siehst die Sterne blitzen,
zum Teufel gehen alle irgendwann einmal,
wieso tanzt Du nicht heut’ Nacht,
als wenn’s schon Deine letzte wär:
Tanz, tanz mit mir Dein Leben lang!